Sommer, Schach und Sonnenschein – auch Tanzania spielt das Spiel der Könige

Ein Schachreisebericht von Martin Stuckenschneider.

Ein ganz besonderes schachsportliches Erlebnis genoss ich in meinem diesjährigen Sommerurlaub. Während meiner Reise durch Tanzania erhielt ich die Gelegenheit, an einem Schnellschachturnier in Daressalaam teilzunehmen. Im Vorfeld hatte ich bereits Kontakt zur dortigen Schachszene aufgenommen, den ich vor allem mit Hilfe des Vorsitzenden des tanzanischen Schachverbandes Geoffrey Mwanyika bekam. Die Welt ist bekanntermaßen ein Dorf, und so war ich wenig verwundert, als ich von Geoffrey erfuhr, dass er genau wie auch ich seine Hochschulausbildung in Dortmund erhalten hatte, allerdings in einem späteren Jahrzehnt.

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Am 21. August war es dann so weit. Kurzfristig war ein Schachturnier anberaumt worden, sogar ein Sponsor wurde gefunden.

Gespielt wurde im Don Bosco Centre in Upanga, einem der schnell wachsenden Stadtteile der größten Stadt des Landes. Für die Kinder, die im Don Bosco Centre unterrichtet werden, wird auch Schachunterricht angeboten.

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Den Schachlehrer Kara Louis sehen wir im Hintergrund – MATE ist sein Programm! Der Herr im Tanzania-T-Shirt ist der mit der sozialpädagogischen Leitung beauftragte Ordensbruder des Zentrums, dem wir am Ende meines Berichts noch begegnen werden.

Am Sonntag, den 21. August, wurde das Zentrum allerdings nicht von Kindern, sondern von den besten Schachspielern des Landes bevölkert, denen ich kurz vor ihrer bevorstehenden Abreise zur Schacholympiade nach Baku als willkommener Sparringspartner mit etwa gleicher Spielstärke vorgeworfen wurde.

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Im Spielsaal konnte ich von mancher Erleuchtung profitieren. So gelang mir ein schöner Sieg gegen den tanzanischen Spitzenspieler und Meisterkandidaten Yusuf Mdoe, gegen den ich ein zugegebenermaßen spekulatives, aber vermutlich doch korrektes Läuferopfer auf h7 anbringen konnte. Auch Geoffrey musste nach wildem Schwanken der Waagschalen gegen mich klein bei geben. Hingegen gewann Hemed Mlawa eine hervorragende Partie gegen mich. Eine Mehrfigur nützte angesichts starker gegnerischer Freibauern nicht, wie wir bei der folgenden Analyse sehen.

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Dafür musste Hemed mir versprechen, die von ihm gewählte Variante mit dem Läuferschach auf b5 gegen mein geliebtes Grünfeldindisch auch in Baku zu spielen.

Meinen Meister fand ich – wie alle tanzanischen Schachfreunde auch – jedoch an diesem Tag  in George Omitha, einen jungen Kenianer, der in Daressalaam arbeitet. Er besitzt noch keine Ratingzahl, überspielte mich aber positionell und war taktisch voll auf der Höhe.

Schließlich musste ich noch ein Remis gegen Mussa Mangula abgeben, dessen Dauerschachs ich bei Mehrbesitz nicht entfliehen konnte. Auf dem Bild erkennen wir, dass durchaus auch in Daressalaam ein Budapester Gambit gespielt wird.

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Meisterkandidat Yusuf Mdoe verfolgte interessiert meine vergeblichen Gewinnversuche.

Letztlich schaffte ich es dann doch noch aufs Podium – es waren schließlich 4! Geldpreise vorgesehen.

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Hier sehen wir verschiedene weiße und schwarze Figuren, v. l. n. r. Hemed, Martin, George, Yusuf und den Vertreter Don Boscos.

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Den Umschlag mit meinem Preisgeld gab ich wieder zurück, nicht ohne ihn zuvor noch ein bisschen aufgefüllt zu haben. Im nächsten Kinderturnier des Zentrums wird es nun ein paar kleine Pokale und Medaillen geben.

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Zum Abschluss gab es viele strahlende Gesichter. Ich musste noch eine kurze Rede halten, in der ich der Mannschaft für Baku und der Entwicklung des Jugendschachs in Tanzania viel Erfolg wünschte.

Für mich war die gesamte Reise durch Tanzania ein großartiges Erlebnis und die Begegnung mit den Schachfreunden aus Daressalaam sicherlich ein Highlight meiner bisherigen Schachlaufbahn.

Bei meinem nächsten Besuch in Daressalaam komme ich vermutlich nicht darum herum, den Kindern im Don Bosco Centre eine Trainingsstunde zu geben. Darauf und auf den Ausbau der Kontakte zu den Schachfreunden aus Tanzania freue ich mich schon sehr. Als Mitglied ihrer what´s app-Gruppe darf ich übrigen auch in Baku gewissermaßen live dabei sein.

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