Fesselungen sind unangenehm – manchmal auch nicht…

Klemens führte die Lernenden am Dienstag, den 29. Juni, in das Thema „Fesselung“ ein.  Fesselfiguren, also Figuren, die fesseln können, sind Läufer, Turm und Dame. Klemens unterschied zunächst „echte“ Fesselungen von „unechten“: Echte Fesslungen liegen vor, wenn hinter der gefesselten Figur der König steht, die Figur kann hier in keinem Fall ziehen. Bei „unechten“ Fesselungen steht hinter der gefesselten Figur eine wertvollere – z.B. hinter dem mit einem Läufer auf g5 gefesselten Springer auf f6 die Dame auf d8. Hier kann die Figur ziehen, was mit materiellen Verlusten zu erkaufen ist, jedoch in manchen Stellungen zu gewinnbringenden Kombinationen führen kann. Soll heißen: Obacht bei unechten Fesselungen, die gefesselte Figur ist in der Lage, zu ziehen!!!

Ins Thema konkret führte Klemens anhand von Eröffnungen ein, die zu bestimmten Fesselungen führen – so lernten die Übenden en passant ein paar gänginge Eröffnungen und deren Namen kennen.

1. Beispiel: Skandinavisch

1.   c4 –  d5   2. exd5 – Dxd5   3. Sc3… Was ist das beste Rückzugsfeld für die angegriffene Dame?

Diese Frage wurde überraschend beantwortet:

De5+? erhielt 2 Nennungen: Die Dame kann mit Le2 und in der Folge Sf3 oder d4 schnell vertrieben werden.
Dg5? 2 Nennungen: auch hier wird die Dame mit Sf3 oder d4 vertrieben (Weiß gewinnt Tempi).
Dc5? 1 Nennung: d4 vertreibt die Dame.
Da5 und Dd8 je 1 Nennung. Diese Züge sind ok und Bestandteil der Theorie.

Dc6?? wurde glücklicherweise nicht genannt, denn die Fesselung der Dame ist nach Lb5 eine „echte“. Die Dame kann nicht ziehen, da der König nicht ins Schach gestellt werden darf.  Sie und – in der Folge dann die Partie – gehen verloren.

2. Beispiel (Englisch)

1.  c4 – e5   2. Sc3 – Sf6   3. d3 – Lc5   4. Lg5? Hier haben wir eine „unechte Fesselung“, was sich in dieser Stellung als vorteilhaft für Schwarz erweist:

… – Lxf2!   5. Kxf2 – Sxg4+   K beliebig – Dxg5.

Ergebnis: Schwarz hat einen Bauern mehr, Weiß kann nicht mehr rochieren und die schwarzen Felder (z.B. d3) sind schwach. Schwarz steht auf Gewinn.

3. Beispiel (Damengambit)

1.  d4 –  d5   2. c4 – e6   – Lb4 3. Sc3 – Sf6   4. Lg5 – Sbd7   5. cxd5 – exd5   6. Sxd5? – Sxd5! (hebt  die unechte Fesselung auf) 7. Lxd8 – Lb4+   8. Dd2 und Schwarz hat im Endergebnis 1 Figur mehr:

4. Beispiel

Hier hat Schwarz am Zug scheinbar schlechte Karten: Der Läufer auf d4 ist dreimal angegriffen und nur zweimal verteidigt – und darf „eigentlich“ nicht ziehen (unechte Fesselung), weil der dahinter stehende Turm ungedeckt ist. Aber Schwarz hat eine erstaunliche Ressource, die den Spieß umdreht: Mit Lg1 !! droht er gleichzeitig Matt auf h2 und Schlagen der Dame. Beides gleichzeitig kann Weiß nicht verhindern.

5. Beispiel (Kreuzfesselung)

Mit Lxd7 glaubt sich Weiß auf der Siegerstrasse: Dxd7 und nun der Hammer Tf7?! Die Dame ist gefesselt und verloren – oder? Mit der unglaublichen Kreuzfesselung Tf8!! kann Schwarz überraschend gewinnen: Der weiße Turm kann die Dame auf d7 nicht nehmen, weil er durch den Tf8 gefesselt ist – und nimmt Weiß den Turm auf f8, geht seine Dame auf h7 verloren.

Thema des nächsten Trainings am Di, den 6. Juli: Gabelungen mit Bauern und Springer.

Auflösung der Aufgaben vom 22.06.2010 zum Thema Ablenkung:

Aufgabe_1
1. … Dd4+   2. Kh1 – Df2! Auf 3. Db5 folgt 3. … – Te1. Weiß gab deshalb auf  (Reschewski – Fischer, 1970).

Aufgabe_2:
Hier fehlte in den verteilten Aufgaben der Hinweis, das Weiß Tb2 gezogen hatte, Schwarz ist am Zug:
Nach 1. … – Df3! musste sich Weiß geschlagen geben. Falls 2. Dxf3, so 2. … – Ta1+. Auf 2. Df1 entscheidet 2. … – Ta1 (Metschkarow – Kaikamdshosow, 1969).

Aufgabe_4:
1. … – La6! Dadurch wird der weiße Läufer abgelenkt, und Weiß musste aufgeben (Uhlmann – Larsen, 1971).

Aufgabe_8:
Nach 1. De1+! (Ablenkung des Turms) kann Weiß nach 1. … – Txe1 zu 2. g3 Matt (Stahlberg – Becker, 1944).

Aufgabe_14:
Nach Se7! gab Schwarz auf. Wenn er den Springer mit dem Läufer schlägt, kommt Dh8. Außerdem droht 2. Dg8 (Najdorf – Porath, 1954).