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Interview mit Großmeisterin Bettina Trabert

Im Vorfeld des Simutan-Turnier am 23. September hatte ich Gelegenheit, Frau Trabert einige Fragen zu stellen. Das Interview ist unten wider gegeben:

Wann haben Sie sich zum ersten Mal das Ziel „Großmeisterin“ gesetzt, somit ganz an die Spitze zu gelangen? Wer hat Sie bei der Zielsetzung maßgeblich beeinflusst?
1986 habe ich das erste Mal bei der Olympiade in Dubai für die deutsche Mannschaft gespielt. 1987 habe ich das Zonenturnier in Erlangen gewonnen und mich für das Interzonenturnier qualifiziert. Das waren die ersten Male, wo ich auf starke Großmeisterinnen traf und teils auch mithalten konnte. Ernsthaft um den Titel gespielt habe ich dann erst in den 90er Jahren.

Wie viel Zeit verbringen Sie täglich mit Training?
Im Moment sehr wenig, da ich viel Zeit mit meinem kleinen Sohn Simon verbringe. Da ist hauptsächlich die Arbeit an meinen Schachkolumnen, und natürlich schaue ich mir auch über das Internet an, was sonst in der Schachwelt los ist.

Wie trainieren Sie? Einzeln, mit „Sparringspartnern“, am PC, mit Büchern.
Was mit PC, was mit Büchern?
Einen Trainer hatte ich nie, aber während Turnieren habe ich viel mit anderen Spielern analysiert. Ich bevorzuge noch immer Bücher und ein Holzbrett gegenüber dem PC – das hält an, selbst zu denken, statt den Computer rechnen zu lassen.

Wie hat sich das Training in den letzten 2 Jahrzehnten verändert. Ist es z.B. deutlich intensiver oder zeitraubender geworden, läuft es methodischer ab, weil auch das Wissen über effizientes Schachtraining zugenommen hat?
Der größte Unterschied ist die enorme Datenmenge durch Computer und Internet. Das Eröffnungswissen ist dadurch viel leichter zugänglich. Die meisten Spieler machen aber den Fehler, nur Eröffnungen anzuschauen, ohne wirklich etwas über das Spiel zu lernen. Das beste Training ist noch immer mit einem guten Trainer oder die Arbeit an den eigenen Partien, und daran hat sich wenig geändert.

Glauben Sie, dass das heutige Spitzenschach dem vor 40 Jahren (Fischer-Zeit) überlegen ist? Hätten Fischer mit seiner damaligen Technik und seinem damaligem Wissen heute Ihrer Meinung eine Chance gegen die Weltspitze?
Fischer wäre auch heute in der Weltspitze – das nötige Eröffnungswissen hätte er sich sicherlich sehr schnell angeeignet. Das Spiel hat er verstanden wie nur sehr wenige – auch heute.

Gibt es eine Lieblingspartie von Ihnen, eine Partie, an die Sie aus welchen Gründen auch, immer wieder gerne denken?
Eine einzelne Partie nicht unbedingt. Am ehesten die Partien, in denen ich das erste Mal einen Großmeister oder sehr starke Spieler geschlagen habe.

Gibt es in der Schachgeschichte eine Partie, die Sie maßgeblich beeinflusst hat?
Da denke ich auch weniger an eine einzelne Partie. Beeindruckt haben mich vor allem Partien, die ich live gesehen habe, zum Beispiel die der Polgar-Schwestern in jungen Jahren. Oder 1984 in Champigny bei der Jugend-WM, da spielte ein junger, völlig unbekannter Inder unheimlich schnell und hielt dennoch mit den damals übermächtigen Sowjets mit. Ich weiß noch, wie ich  das Namensschild entziffert habe: Viswanathan Anand…

Haben Sie ein Vorbild in der Schachgeschichte, einen Spieler bzw. eine Spielerin, deren Partien Sie sehr beeindrucken / beeindruckt haben?
Spielerisch am meisten Bobby Fischer. In seinen Partien sieht das Schachspiel sehr logisch aus.

Glauben Sie an einen Glücks- oder Zufallsfaktor bei Partien mit menschlichen Gegnern, oder gewinnt letztlich derjenige, der im Sinne der Schachlogik exakter denkt?
Es gibt sicherlich Glück (wenn der Gegner einen Fehler macht), aber im strengen Sinne kein Pech, denn man ist immer selbst verantwortlich. Das ist für mich auch ein Reiz am Schach, denn es gibt eben keine Würfel, auf die man die Schuld schieben kann.

Welche konkreten schachlichen Pläne / Ziele haben Sie derzeit?
Das kann ich erst beantworten, wenn Simon etwas älter ist. Im Moment habe ich keine Zeit für längere Turniere oder Eröffnungsstudien. Aber sicherlich kann man sich schachlich immer noch verbessern, und es reizt mich schon, das mal wieder auszuprobieren.

Herzlichen Dank!


Schachliche Grüße, Euer Frank Huneck.

 

1 comment to Interview mit Großmeisterin Bettina Trabert

  • Dagmar Reichert

    Guten Tag,
    wir haben einen schachbegeisterten Freund, demwir gerne eine Stunde mit Frau Trabert schenken möchten. geht das?
    vielen dank
    für Ihre Mühe
    dagmar Reichert

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