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Kuchen- und Punkteteilung im Vogelsberg – Schachspieler der TGW können in der Alten Molkerei zu Alsfeld nur einen Teil vom Rahm abschöpfen

Landesklasse Nord: Alsfeld 1 – TG Wehlheiden 1  4:4

Ein Bericht von Martin Stuckenschneider

Als im Winter bei widriger Witterung die Fahrt der Schachspieler des TGW nach Alsfeld verlegt werden musste, ahnte wohl noch niemand, dass mit dem 19.März ein nahezu idealer Nachholtermin gefunden werden würde. Die Szenerie in der Alten Molkerei glich einem großen Familientreffen. Gleich mehrere Wettkämpfe mit Mannschaften aus verschiedenen Ligen waren angesetzt, so dass es  zum Wiedersehen mit einigen alten Bekannten kam. Gekrönt wurde die feierliche Stimmung von einer stattlichen Schokoladentorte und der sie überragenden 70, die der Alsfelder Schachfreund Wolf-Dieter Weißbeck an diesem Tage zum Geburtstag bekommen hatte.

An dieser Stelle nochmals unsere besten Wünsche zu diesem Festtag und noch viele Torten und alsheimerfreie (dieser Insider zwischen dem Geburtstagskind und mir sei  verziehen!) Schachpartien, lieber Wolf-Dieter!

Geschenke hatte ich allerdings nicht dabei. Um so mehr genoss ich meine Partie mit dem Jubilar, dessen Schachstil an Originalität nichts eingebüßt hat. Diese ging jedoch in einer Holländischen Partie, in der ich die weißen Steine führte, zu lasten der Entwicklung des schwarzen Damenflügels. Unter Linienöffnung ließ sich der weiße Entwicklungsvorsprung nutzen. In der Schlusskombination konnte angesichts zweier perspektivloser eingemauerter schwarzer Langschrittler ohne Bedenken eine Figur geopfert werden. Angesichts der bevorstehenden Promotion meines Bauern auf e7 – seine schwarzen  Kollegen bildeten ein einseitiges Spalier auf dem Damenflügel – strich unser Geburtstagskind nach zwei Stunden die Segel und widmete sich nun ganz  den anwesenden Kuchenfreunden.

Nur wenig später wurde das Remisangebot Niko Lukes an Brett 4 vom Alsfelder Bernd Hombergs trotz eines Regelverstoßes Nikos bei der Abgabe des Angebots angenommen. Über die Kompensation für Nikos Mehrbauern in Form des Läuferpaares und eines beträchtlichen Zeitpolsters bestand offenbar ebenso viel Einigkeit wie nach kurzem Studium der einschlägigen Literatur auch über das schachliche Regelwerk.

An Brett 3 inszenierte Patrick Francis mit Weiß gegen Lothar Zilch einen unwiderstehlichen Angriff, in dessen Folge er mit einer Konzentration seiner Schwerfigurenpower auf der h-Linie den gegnerischen König ohne Verteidigungsmöglichkeiten ließ.

Dass einem selbst in einer Molkerei die Butter vom Brot genommen werden kann, zeigte dann jedoch die für uns ungünstige Entwicklung an den Spitzenbrettern. Maurice Schirras Morra-Gambit wurde zwar von Arno Feicht abgelehnt, sein Figurenopfer wiederum ließ Maurice jedoch nicht zur Rochade kommen. Die entstehenden Komplikationen hätten auch in einem angenommen Gambit kaum größer sein können. Der erfahrene Alsfelder Spitzenspieler behielt den Überblick und erzielte den Anschlusstreffer für seine Mannschaft.

Kurz darauf fiel sogar der Ausgleich. Markus Schlachowitsch hatte gegen Tobias Stein trotz Qualitätsverlusts lange Zeit Kompensation auf den hellen Feldern, als er schließlich fehl griff.

Alles zurück auf Anfang! Wehlheiden inszenierte durch Joachim Müller gegen Joachim Pade an Brett 7 einen weiteren furiosen Angriff mit den weißen Steinen. Bei entgegengesetzten Rochaden besaß „unser“ Joachim den weitaus gefährlicheren Läufer, der ohne Widerpart auf den dunklen Feldern wütete und schließlich unter Qualitätsgewinn vom Brett verschwand. Joachims Turm konnte nun ungehindert gegnerische Bauern verspeisen, die gleich den Kuchenstücken auf der Festplatte dezimiert wurden. Die erneute Führung für Wehlheiden!

Und wieder kam Alsfeld zurück! Uwe Pichl hatte in einer komplizierten Abwicklung mit zwei Türmen und einem Bauern gegen Dame und Springer gegen Alsfeld Topscorer Achim Achtmann den Kürzeren gezogen und musste nach hartem Widerstand die Segel streichen.

Nun richtete sich alle Blicke auf Lars Ratschke und Evelyn Miemelt an Brett 6. In der Folge eines recht aussichtsreiche erscheinenden Angriffs war Lars Springer irgendwie auf dem Feld h3 gestrandet. Zwar unbeweglich, so hielt er doch seinerseits einen Teil des gegnerischen Stabes in Schach. Die Diskussion über  Schwäche oder Stärke der Ratschkeschen Randfigur mündete schließlich in ein Turmendspiel, das kurz vor der Zeitkontrolle remis gegeben wurde.

Beide Mannschaften finden sich nach dem leistungsgerechten 4:4 im Mittelfeld er Tabelle. Alsfeld liegt mit einem Mannschaftspunkt vor uns, aber die schachliche Dialektik will es, dass wir auch vor Alsfeld liegen – mit einem halben Brettpunkt!

 

2 comments to Kuchen- und Punkteteilung im Vogelsberg – Schachspieler der TGW können in der Alten Molkerei zu Alsfeld nur einen Teil vom Rahm abschöpfen

  • KHS

    Wiederum ein herrlicher Bericht, der mich als Kiebitz unvermittelt an den Wettkampfort versetzte. Was aber ist eine alsheimerfreie Schachpartie? Ich habe da einen Verdacht.

  • Fliegner

    Hallo Martin ein wunderschöner Bericht mehr davon.

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