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Schnitzel, Schach und Schnellzugzuschlag

Landesklasse Nord: 1. TGW-Schachmannschaft krönt all-inclusive-Paket mit zwei Punkten im Vogelsberg

Von Martin Stuckenschneider

 

In der fünften Runde der laufenden Saison gelang uns ein souveräner 5:3-Sieg in Lauterbach und somit der Sprung auf den vierten Tabellenplatz mit 7:3 Mannschaftspunkten.

Angesichts des kurzfristig anberaumten Wintereinbruchs traten wir die Reise an die Lauter mit der Bahn an. Die gastgebenden Schachfreunde kamen uns im wahrsten Sinne des Wortes entgegen, holten uns mit PKWs am Bahnhof ab und verlegten unserem Wunsch gemäß den Beginn des Wettkampfes um eine halbe Stunde vor, damit wir nach der eventuellen Maximalspielzeit von sechs Stunden noch mühelos den letzten Zug erreichen hätten erreichen können. Der SVG Lauterbach und ihrem Mannschaftsleiter Roland Zorn sei dafür an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt.

Im Posthotel Johannesberg stand zudem ein vortreffliches Spiellokal zur Verfügung. Optimale Bedingungen für einen gelungenen Schachnachmittag standen bereit. Von diesen konnten wir zunächst leider nicht profitieren: Markus Schlachowitsch hatte am Spitzenbrett soeben einen Minusbauern zurückgewonnen, um kurz darauf in eine Springergabel zu laufen, die die Lauterbacher Führung zur Folge hatte. Patrick Francis fand kein Durchkommen gegen seinen solide spielenden Gegner, und Uwe Pichl verpasste eine Chance zum Gewinn einer Figur in einer fortgesetzten Schlagfolge – zwei Remis. Inzwischen inszenierte Martin Stuckenschneider unter Nutzung seines Läuferpaares einen Königsangriff, angesichts zahlreicher Drohungen griff sein Gegner fehl und musste die Gewinnkombination und den Ausgleich hinnehmen. Ulli Rehbein brachte kurz darauf sogar die Führung für die TGWler: in einer Partie mit ungewöhnlichen Stellungsbildern sezierte er die gegnerische Stellung mit dem Bauernzug e4-e3 und fuhr einen grandiosen Sieg ein. Nach einem weiteren Remis durch Joachim Müller waren alle Augen auf das Brett unseres Ergänzungsspielers Manni Rehbaum gerichtet, der das Läuferpaar seines Gegners gekonnt auf Abwege leitete und es auf diesen halbierte. Die Kraft seiner Manöver unterstrich er dabei mit einem solchen Pfund auf die Schachuhr, dass diese dabei in den Blitzmodus umsprang. Mannis ganz persönliche Interpretation des Schnellzugzuschlags überzeugte auch seinen Gegner, der auf eine Fortsetzung der Partie – gleich in welchem Modus – verzichtete. Damit stand der Mannschaftssieg fest. Lars Ratschke wehrte sich schließlich in einem schlechter stehenden Endspiel mit gleichfarbigen Läufern so tapfer, dass er sogar einen unverhofften Gewinnweg übersah bzw. diesen erst auf der Rückfahrt im Zug entdeckte.

Um 18 Uhr stand es also 5:3, bis zur Rückfahrt waren noch zwei Stunden Zeit, so dass es zu einem freudigen Ausklang im Gaststättenbereich des Posthotels (gute Küche!) und anschließend in den Zügen zurück nach Kassel sowie im Bahnhof Fulda reichte. Manni dozierte dabei noch Lehrreiches zum Thema „Capablanca-Läufer“, und nun wissen wir, dass damit nicht Schlacho gemeint ist, wenn er verschlafen hat und in (nicht auf!) den abfahrbereiten Zug springt. Eben so wenig bildet übrigens eine „petite combinaison“ (noch) nicht einen Bestandteil der Speisekarte des Lauterbacher Posthotels, sondern entstammt eher Caissas Gourmettempel. Ein kleines Portiönchen (später folgte auch noch ein unschachliches Schnitzel) war mir mit den weißen Steinen spielend nach dem 27. Zug von Schwarz in folgender Stellung gegönnt:

W: Kg1, Dh4, Tf1, Th3, Ld3, Lh6, Ba2, b2, c4, d5, f2, g2, h2;

S: Kg8, Dd7, Te8, Tf7, Sg7, Sh5, Ba7, b7, c5, d6, e5, g6, h7.

  1. g4 Shf6   29. Lg7: Kg7:   30. Lg6:! Th8   31. Dh6 Kg8   32. Lf7: Kf7:   33. g5 Tg8   34. Df6:   1:0.

4 comments to Schnitzel, Schach und Schnellzugzuschlag

  • Dieter K.

    Da soll mal einer sagen, man hätte nicht drei Wünsche frei – wie weiland im Märchen.

    Eben erst geäußert … und schon ist die nächste Super-Story da!

    Herzliche Gratulation!

    D.K.

  • Frank-Georg

    … und so sieht es der Gegner (wusstest IHR, dass wir schon so lange im Geschäft sind, 50 Jahre… wow).

    Presse SVG Lauterbach:

    Bittere Niederlage im Abstiegskampf
    In der Landesklasse unterliegt Lauterbach gegen Wehlheiden

    Gegen diesen Gegner hatte man sich in Lauterbach Chancen ausgerechnet: In der fünften Runde der Landesklasse Nord empfing die erste Mannschaft der SVG Lauterbach die Schachabteilung der TG 1949 Wehlheiden 1 – es war tatsächlich das erste Zusammentreffen von Mannschaften dieser beiden Vereine, obgleich beide schon über 50 Jahre lang bestehen. Als Aufsteiger in diese Klasse hatten beide den Klassenerhalt zum Ziel, von den Wertungszahlen her waren die Spieler des Kasseler Stadtteils leicht favorisiert, und da die Lauterbacher in dieser Saison schon eine stärkere Mannschaft geschlagen hatten ging man mit Hoffnungen in das Spiel, musste am Ende aber eine bittere 3:5-Niederlage einstecken.
    Beide Mannschaften agierten mit jeweils einem Reservespieler. Die Lauterbacher hatten aus taktischen Gründen die Bretter 1 und 2 sowie 3 und 4 getauscht, ein Kniff, der zumindest teilweise aufging. Und der Kampf begann durchaus positiv für Lauterbach. Denn Steffen Andreas an Brett 1 sorgte gleich für einen Paukenschlag, indem er in kürzester Zeit seinen Gegner Markus Schlachtowitsch überrannte und Lauterbach mit 1:0 in Führung brachte. An den Brettern 6 und 7 steuerten Gennady Mil gegen Uwe Pichl und Jürgen Struth im Budapester Gambit gegen Joachim Müller zwei schnelle Remise bei, so dass es rasch 2:1 für Lauterbach stand. In dieser Situation fand sich Martin Krauss an Brett 3 gegen Patrick Francis, von der Wertungszahl her der stärkste Wehlheidener. Krauss hatte sich auf die Eröffnung seines Gegners vorbereitet und hatte im Mittelspiel mehr Bedenkzeit übrig und eine etwas aktivere Stellung mit leicht besseren Möglichkeiten erreicht. Zur Rechten sah er, dass Dirk Kurzawa einen Bauern mehr hatte, zur Linken, dass sich Christoph Herda einen Positionsvorteil erspielt hatte, Lauterbach führte – so bot er seinem Gegner Remis an, das dieser sofort akzeptierte. Im Nachhinein betrachtet war dies vielleicht ein Fehler, letztendlich aber kein entscheidender.
    Denn nun folgten drei Lauterbacher Niederlagen aufeinander. Roland Zorn hatte an Brett 5 gegen Martin Stuckenschneider einen Königsangriff zugelassen, dem er nicht standhalten konnte, und musste aufgeben. Dirk Kurzawa hatte zwar gegen Ullrich Rehbein an Brett 4 einen Bauern gewonnen, hätte das aber besser bleiben lassen. Denn danach standen seine Figuren zusammenhanglos auf dem Brett und mussten sich verteidigen, und das bei einer unsicheren Königsstellung. Rehbein nutzte seinen Positionsvorteil konsequent aus und konkretisierte seine Drohungen, bis dem Lauterbacher nur noch die Aufgabe blieb. An Brett 8 beim Duell Michael Ludoph gegen Manfred Rehbaum hatte sich ein harter, emotional geführter Kampf entwickelt, bei dem Ludolph mit Zeitnot zu kämpfen hatte und Rehbaum schließlich eine Ungenauigkeit mit Figurengewinn bestrafte, wobei der Wehlheidener sogar die Schachuhr zertrümmerte.

    Nun allerdings war der Mannschaftskampf entschieden, so dass man sich an Brett 2 zwischen Christoph Herda und Lars Raschke in einer Stellung, die für Herda nur minimale Vorteile aufwies, auf Unentschieden einigte und damit den Endstand von 3:5 besiegelte.
    In der Tabelle ist Wehlheiden nach dem verdienten Erfolg auf Platz 4 vorgerückt, Lauterbach auf Platz 8 zurück gefallen, der zum Klassenerhalt gerade noch sicher reichen würde.

  • Mertens

    Hallo Manni,
    ich mag die Stelle, wo du die Schachuhr zertrümmerst.
    Gratulation an die ganze Mannschaft und besonders an dich

  • Wir mochten die Stelle mit der Schachuhr nicht so sehr – Rechnung folgt! 🙂
    Und unser Mann an Brett 2 schwört, da war kein Gewinnweg, jedenfalls hätte Houdini mit Tiefe 20 keinen gefunden…
    Und dass sich die Jahreszahl auf auf den Gesamtverein bezieht, nicht auf die Schachabteilung, wusste ich freilich nicht.
    Sei es drum, es hat Spaß gemacht mit den Wehlheidenern, und wir hoffen uns nächstes Jshr wieder zu sehen! Daher: bitte nicht aufsteigen!

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